Yacht Charter & Mieten

Executive Yachting

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NZZ am Sonntag, - 19. Mai 2024

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Ferien machen wie ein Oligarch – wie das Chartergeschäft mit Luxusjachten funktioniert

Eine Woche Sardinien für 700 000 Euro: Eine Jacht zu mieten, ist die wahrscheinlich teuerste aller Auszeiten. Ein Vermittler erzählt.

Janique Weder 18.05.2024

Eine Jacht steht für das Privileg der Exklusivität.

Vielleicht lässt sich die bizarre Welt der Jachten am besten an einer Dusche erklären. Ungefähr zehn Jahre ist es her, da durften die «Rainsky»-Anlagen auf keinem vernünftigen Schiff fehlen. Sie hatten Duschköpfe, so gross wie Motorhauben, verbrauchten 45 Liter Wasser pro Minute und kosteten 18 000 Euro. Die Tropfengrösse und die Geschwindigkeit, mit der die Tropfen fielen, liessen sich regulieren. Ein Russe soll sich zudem gewünscht haben, dass aus seiner «Rainsky» an Bord optional Wasser oder Champagner fliessen möge. Die Antwort des Herstellers: Kriegen wir hin.

Eine Jacht, das ist schwimmende Dekadenz in Vollendung. Entsprechend schreibt man sie den Superreichen zu – den Tech-Experten aus dem Silicon Valley, den Scheichs aus dem arabischen Raum, den Oligarchen aus Russland. Wer unterhalb dieser Einkommensklasse lebt, kauft in der Regel keine Jachten. Er mietet sie vielleicht.

Eine Jacht zu chartern, also sie inklusive Skipper und Crew zu mieten, ist beliebt. Die Grösse des globalen Jachtcharter-Marktes wurde vom Marktforschungsinstitut Fortune Business Insights im Jahr 2022 auf mehr als 7 Milliarden Dollar geschätzt. Vermittelt werden die Jachten in den meisten Fällen von unabhängigen Brokern.

Thomas Lauber ist einer von ihnen. Aufgewachsen inmitten von Bergen in Zermatt, heuerte er als 20-Jähriger auf einem Frachtschiff an. Heute ist Lauber der Geschäftsführer von Executive Yachting und vermittelt als solcher Luxusschiffe in der ganzen Welt. Dazu gehören Segeljachten, Motorjachten, am beliebtesten seien die Katamarane, sagt Lauber: «Da kriegen Sie alles, was Sie wollen, haben keine Schräglage, und zahlbar ist es auch noch.»

«Yolo» (Katamaran). 2022. 23 Meter. 9–11,5 Knoten.
4 Kabinen. 8 Passagiere. 4 Besatzungsmitglieder.
Miete: ab 55 000 Euro pro Woche plus Steuern, Nebenkosten und Trinkgeld.
Besitzer: unbekannt.

Laubers Kunden sind Grossunternehmer, Ärzte, CEO, Sportler. «Ein Rugbyspieler ist dabei, auch ein paar Fussballer in der obersten Liga von Deutschland», sagt er. Mehr verrät Lauber nicht, Diskretion ist in diesem Geschäft ein hohes Gut. Gerade die Sportler aber seien «super Kunden, sehr loyal, die empfehlen einen auch weiter».

Warum es Menschen überhaupt auf Jachten drängt, über diese Frage sinnierte der Soziologe und Politikwissenschafter Grégory Salle in seinem im Jahr 2022 erschienenen Buch «Superyachten». Wie der Name erahnen lässt, sind Superjachten die richtig grossen Dinger, mehr als 30 Meter müssen es sein. Salle schrieb: «Das Privileg der Exklusivität macht den Geist der Luxusjacht aus.»

Weit draussen, von wo aus man das Land nur noch mit dem Fernglas sieht, sind die Reichen unter sich, ausser Hör- und Sichtweite des gemeinen Volkes. Salle nennt das die «demonstrative Abgeschiedenheit»: Es gibt sogar Jachten, die sind so gebaut, dass sie mithilfe von Spiegeln fast unsichtbar werden können.

«Es stimmt schon», sagt Thomas Lauber, «viele wollen nur noch von Leuten umgeben sein, die sie kennen.» Der Wunsch, nicht mehr mit anderen, fremden Menschen in einem Restaurant sitzen zu müssen, habe seit der Pandemie zugenommen. «Den meisten Leuten geht es um Freiheit und um Selbstbestimmung.»

«Aquijo». 2016. 86 Meter. 12–16 Knoten.
7 Kabinen. 12 Passagiere. 17 Besatzungsmitglieder.
Miete: ab 450 000 Euro pro Woche plus Steuern, Nebenkosten und Trinkgeld.
Flagge: Cayman-Inseln.
Besitzer: Jürgen Grossmann, deutscher Unternehmer.

Thomas Lauber besitzt und verwaltet selbst keine Jachten, er verbindet: Sobald er weiss, was ein Kunde sich wünscht und welches Budget zur Verfügung steht, konsultiert er die Broker-Datenbank, in der die verfügbaren Jachten vertraulich gelistet werden.

Eine Jacht zu vermitteln, das sei auch Aufklärungsarbeit, sagt Lauber. Viele könnten gar nicht beurteilen, was ein angemessener Preis sei. «Die meisten Leute haben im Internet eine Zahl gesehen und denken dann: That’s it.» Meistens handle es sich dabei aber nur um die Chartergebühr, also den eigentlichen Mietpreis, der an den Eigentümer der Jacht geht und die Kosten für das Schiff, die Crew, die Versicherung und die Wassersportgeräte enthält.

Zur Miete hinzu kommen Steuern, deren Sätze sich von Land zu Land unterscheiden, sowie eine Art Bordkasse, um die Nebenkosten zu begleichen. Sie wird bei Segeljachten und Katamaranen mit 20 bis 30 Prozent, bei Motorjachten mit 40 Prozent der Chartergebühr berechnet. Mit diesem Geld kann der Kapitän die Rechnungen für Nahrungsmittel, Getränke, Treibstoff oder Hafengebühren bezahlen.

Und dann gibt es noch das Trinkgeld für die Crew: Im Mittelmeerraum sollen es mindestens 10 Prozent der Chartergebühr sein, in der Karibik zwischen 15 und 25 Prozent. Wie viel Geld die Besatzung erwartet, wird vertraglich festgehalten.

Eine Wunschliste für die Crew

Angenommen also, man möchte eine Megajacht in Sardinien chartern, 60 Meter lang, Platz für 10 Personen oder mehr. Laut Website von Executive Yachting fängt der Mietpreis bei 420 000 Euro an, heisst: Nebensaison. Hinzu kommen 92 400 Euro für Steuern (in Italien sind es 22 Prozent), 168 000 Euro für die Nebenkosten und ein Trinkgeld von ungefähr 42 000 Euro. Das macht einen Preis von 722 400 Euro – für sieben Übernachtungen in Italien.

Im Gegenzug darf man sich eine Woche lang wie ein König fühlen. Vor dem Start erhalten alle Passagiere eine Präferenzliste, in der sie sämtliche Wünsche festhalten können: wann sie aufstehen wollen, welches Frühstück sie mögen, wie sie ihren Kaffee trinken, ob sie gerne tauchen oder schnorcheln oder beides, welche Häfen sie sehen und welchen Wein sie trinken wollen. Die Liste helfe der Crew, sich vorzubereiten, sagt Lauber. Manchmal müssten dann seltene Weine in die Karibik importiert werden, die es dort gar nicht gebe.

«Flying Fox». 2019. 136 Meter. 15–20 Knoten.
11 Kabinen. 22 Passagiere. 55 Besatzungsmitglieder.
Miete: ab 4 000 000 Euro pro Woche plus Steuern, Nebenkosten und Trinkgeld.
Flagge: Malaysia.
Besitzer: Dimitri Kamenschtschik, russischer Geschäftsmann.

Für den Soziologen Grégory Salle sind Jachten «ein Brennglas, unter dem eine masslose Vorliebe für Grossspurigkeit sichtbar wird; eine ins Extrem getriebene, übergrosse Laune Superreicher». Swimmingpools und Jetski gehören auf einer Luxusjacht zur Grundausstattung, einige Exemplare wollen mit Aquarien, Tennisplätzen und Konzertsälen imponieren.

Jachten sind aber auch schwimmende Umweltsünden: Sie verbrennen Unmengen von Treibstoff, ihre Anker zerstören kostbare Flora. Die Eigentümer der Schiffe kümmere das wenig, kritisiert Salle. Im Gegenteil seien sie von einem Grössenwahn getrieben, dem jegliche Rationalität abhandengekommen sei. Viele Jachten sind schlicht zu gross, um die Häfen von angesagten Ferienorten anzulaufen.

Die grosszügigen Deutschen

Und dann gibt es die Superjachten, die gar nicht mehr fahren. Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs wurden einige beschlagnahmt, weil sie im Besitz von russischen Oligarchen waren. Dem in der Schweiz wohnhaften Andrei Melnitschenko etwa gehörte die grösste Segeljacht der Welt, die «A». Sie liegt heute im Hafen von Triest, wo sie von den italienischen Behörden festgesetzt wurde.

Mit dieser Welt, sagt der Jachtbroker Thomas Lauber, habe er nichts zu tun. «Unter Brokern sind die Russen kein Thema, weil sie nicht mehr auf ihr Vermögen zugreifen können. Wichtiger sind die Amerikaner, Leute aus Hollywood, aus der New Yorker Finanzbranche und dem texanischen Ölgeschäft. Dort liegt das Geld.» Er selbst arbeite am liebsten mit Deutschen zusammen. «Sie geben das Geld aus und schämen sich nicht dafür, reich zu sein.» Bei den Schweizern und den Österreichern sei das anders, «da gibt es eine grössere Neidkultur unter den Leuten».

Apropos Österreich: Auch der gefallene Immobilienunternehmer René Benko besass eine Jacht, die man chartern konnte. 400 000 Euro kostete eine Woche auf der «Roma». Laut Medienberichten hat Benko die Jacht im März verkauft. Statt der ausgeschriebenen 40 Millionen Euro soll er noch 25 Millionen Euro dafür erhalten haben. Ein weiteres Verlustgeschäft für Benko, ein Schnäppchen für den neuen Besitzer.

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